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Die Alliierten in Berlin

Als die amerikanischen, britischen und französischen Streitkräfte im Sommer 1945 die vereinbarten Sektoren in der zerstörten ehemaligen Reichshauptstadt Berlin besetzten, ahnten die Berliner nicht, dass 49 Jahre später vielen von Ihnen der Abschied von den westlichen alliierten Soldaten so schwer fallen würde.

1945 übernahmen die Westmächte auch in Berlin – gemäß den Vereinbarungen der Siegermächte von 1944 und 1945 und zunächst noch gemeinsam mit den Sowjets – die Aufgabe, als oberste Autorität die Beschlüsse über die Verwaltung des besetzten deutschen Territoriums durchzusetzen, die Ordnung wiederherzustellen, die Lebensbedingungen der ihnen anvertrauten deutschen Bevölkerung zu gewährleisten und den Aufbau einer demokratischen Verwaltung voranzutreiben und zu fördern.

Sehr rasch kristallisierte sich heraus, dass die Sowjetunion und deren Militärverwaltung in Deutschland gänzlich andere Vorstellungen von Besatzungspolitik zur Gestaltung eines gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Neuanfangs im besiegten Deutschland hatten, als Amerikaner, Briten und Franzosen. Während die Sowjets mit einem eindeutigen politischen Auftrag – gemeinsam mit den Funktionären der Gruppe Ulbricht – von Anfang an vorgingen, fehlte den Westmächten in Berlin an vielen Stellen eine klar umrissene politische Strategie in den Westsektoren Berlins.

Obwohl schon kurz nach Beendigung des Krieges die Dissonanzen zwischen den ehemaligen Waffenbrüdern in wesentlichen Berlin-Fragen zu Tage traten, versuchte man zunächst noch, gemeinsam die Demilitarisierung, Demokratisierung, Demontage und Dezentralisierung auch in Berlin umzusetzen. Schon sehr bald aber sollte sich herausstellen, dass die Schaffung der geographischen, politischen, ökonomischen und militärischen Insellage der Westsektoren in Berlin zu immer wiederkehrenden erheblichen Problemen führen musste, auf die die Westmächte nur unzureichend bzw. zum Teil gar nicht vorbereitet waren.

Zurückzuführen war dies auf die Fehler des US-Verhandlungsführers bei der Europäischen Beratungskommission 1944 in London, Botschafter Joseph Winant, der die freien Zugangsrechte der Westmächte von und nach Berlin als immanenten Bestandteil der alliierten Rechts auf Präsenz definierte und deshalb auf schriftliche Fixierung der Zusagen der Sowjets verzichtete. Diese Nachlässigkeit sollte sich später bitter rächen.

Die Blockade von Berlin vom Juni 1948 bis Mai 1949 machte dies vor den Augen der Weltöffentlichkeit deutlich und dokumentierte zugleich den brutalen Machtanspruch Stalins in Mitteleuropa. Der US-Generalleutnant Lucius D. Clay war es, der – vor Ort zum Handeln gezwungen – sich dem Versuch der Sowjets, die Westalliierten aus Berlin zu verdrängen, entgegenstellte. Mit seiner Initiative zur berühmten Luftbrücke sicherten er und die alliierten Soldaten und Piloten der US Army, Air Force und Royal Air Force nicht nur das Überleben der eingeschlossenen Berliner, sondern signalisierten, dass die Westmächte diese Stadt nicht aufgeben werden. Clay hatte erkannt: Wenn Berlin fällt, ist als nächstes der übrige Teil Deutschlands dran und später sogar womöglich ganz Westeuropa…

Das Beharrungsvermögen der Westmächte während der Blockade führte letztendlich zu ersten Niederlage der Sowjetunion im Kalten Krieg. Und für die Berliner waren aus den Besatzungstruppen Schutzmächte geworden. Der Grundstein für die spätere enge Freundschaft war gelegt.

In den Folgejahren wurde unter dem Schutz der Westalliierten ein funktionsfähiges, parlamentarisches System in Berlin aufgebaut, eingebettet in das Rechts-, Wirtschafts- und Finanzsystem der jungen Bundesrepublik Deutschland, aber unter Beachtung der alliierten Obrigkeit, die bestimmte rechtliche Bindungen Berlins zum Bund bis auf weiteres nicht zuließ. Die Berliner und „ihre“ Schutzmächte wuchsen auch im Alltag immer weiter zusammen, soweit man in der geteilten Inselstadt überhaupt von einem solchen sprechen konnte.

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