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„Erlebte Teilung“

Forschungsprojekt Robert-Tillmanns-Hauses e.V.

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Anlässlich des 50. Jahrestages der Errichtung der Berliner Mauer am 13.08.1961 möchte das Robert-Tillmanns-Haus hier die Ergebnisse einer über zwei Jahre hinweg durchgeführten Befragung seiner Seminarteilnehmer zum Thema „deutsche Teilung und Wiedervereinigung“ darstellen. Diese Thematik ist für unseren Bildungsträger insofern von besonderer Relevanz, als dass seine Vergangenheit eng mit der deutschen Nachkriegsgeschichte verflochten ist:

Das Robert-Tillmanns-Haus wurde 1959 als unionsnaher Träger im Westen Berlins mit dem Anliegen gegründet, Bürger aus beiden deutschen Staaten über die politischen Verhältnisse in der „Frontstadt Berlin“ zu informieren. Der damalige Geschäftsführer und Fluchthelfer Fritz Klöckling hatte in der DDR aus politischen Gründen bereits mehrere Jahre im Gefängnis verbracht. Durch den Mauerbau wurden unsere Aktivitäten erheblich erschwert. Trotzdem setzte das Robert-Tillmanns-Haus seine Arbeit fort.

In den folgenden drei Jahrzehnten kamen insgesamt 75 000 Bürger aus der Bundesrepublik, um anhand der einwöchigen Seminare des Robert-Tillmanns-Hauses die politischen Zustände des geteilten Berlins zu erleben. Seit 1989/1990 betrachtet unser Haus es als eine seiner Hauptaufgaben, die Geschichte der Teilung aufzuarbeiten und Vorurteile zwischen „Wessis“ und „Ossis“ abzubauen. 

 

2007 nahm die heutige Geschäftsführung ihre Arbeit auf. Ihr fiel in den Seminaren immer wieder auf, dass gerade ältere Teilnehmer oft bewegt von persönlichen Erlebnissen im Zusammenhang mit der deutschen Teilung zu berichten wussten. Aus dieser Erfahrung heraus entstand das Bedürfnis, diese Berichte zu verschriften. Schließlich handelt es sich dabei um anschauliche „Geschichte von unten“. Die Erlebnisse tragen zudem dadurch einen besonderen Charakter, dass sie räumlich breit gestreut sind: Die Seminarteilnehmer stammen aus allen Regionen der alten Bundesrepublik.

2009 wurde ein anonymer, freiwillig auszufüllender Bogen mit Fragen zu den persönlichen Erlebnissen der Seminarteilnehmer erstellt. Dabei wurden die Anzahl der Fragen möglichst gering und ihre sprachliche Ausformulierung möglichst einfach gehalten. Vorherige Erfahrungen mit der Befragung von Teilnehmern hatten ergeben, dass komplexe Fragebögen oft als abschreckend empfunden werden. Somit war das Prinzip „Keep it simple!“ von zentraler Bedeutung. Neben den persönlichen Erlebnissen umfassen die Fragen auch die allgemeine Einstellung der Teilnehmer zur Teilung und Wiedervereinigung.

Der Fragenbogen wurde von 2009 bis 2011 an insgesamt 14 Seminargruppen ausgehändigt. 223 Teilnehmer füllten den Bogen aus. Die Befragten stammen fast ausschließlich aus der alten Bundesrepublik. Das Gros der Teilnehmer stammt aus den statistischen Altersgruppen „53-65 Jahre“ und „66 und älter“. Da das Robert-Tillmanns-Haus ursprünglich als unionsnaher Bildungsträger gegründet wurde, lässt sich bei den Seminarteilnehmern eine konservative Ausrichtungen erkennen. Es handelt sich aber keinesfalls um eine reine „CDU-Klientel“. Da nur ein kleiner Teil der Bevölkerung politische Bildung in Anspruch nimmt, kann man davon ausgehen, dass die Seminarteilnehmer ein größeres Interesse an Politik haben als der Durchschnitt der Bevölkerung und auch über größere Kenntnisse verfügen.

Das Robert-Tillmanns-Haus ist ein Bildungsträger, kein demoskopisches Institut. Aufgrund der personellen Struktur unseres Hauses musste dieses Projekt sozusagen „nebenbei“ vom vorhandenen Lehrpersonal durchgeführt werden. Dementsprechend kann und sollte dieses Projekt nicht mit den Maßstäben professioneller Demoskopie gemessen werden. Trotz dieser Einschränkungen betrachten wir dieses Projekt aber als einen eigenen, aussagekräftigen Beitrag zur Erforschung der Geschichte der deutschen Teilung. Die Bilder, die den Text begleiten, stammen aus einem „Seminartagebuch“, das von einer Gruppe angefertigt wurde, die das Robert-Tillmanns-Haus 1961 eine Woche nach dem Bau der Berliner Mauer besuchte.